Albert-Schweitzer-Schule

Gemeinschaftsgrundschule Deller Straße 13, Velbert

Albert Schweitzer

«Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet:

Ich bin Leben, das leben will,

inmitten von Leben, das leben will.»

 

Das Wissen vom Leben, das wir Erwachsene den Jugendlichen mitzuteilen haben, lautet also nicht: »Die Wirklichkeit wird schon unter euren Idealen aufräumen«, sondern: »Wachset in eure Ideale hinein, dass das Leben sie euch nicht nehmen kann.«" - Aus meiner Kindheit und Jugendzeit (1924)

Albert Schweitzer (* 14. Januar 1875 in Kaysersberg im Oberelsass bei Colmar, Deutsches Reich; † 4. September 1965 in Lambaréné, Gabun) war ein deutscher evangelischer Theologe und Pfarrer, Orgelkünstler, Musikforscher (Musiker), Philosoph und Arzt aus dem Elsass. In der evangelischen Kirche ist sein Gedenktag am 4. September.

Schweitzer stammte aus einer alemannisch-elsässischen Familie. Er gründete das Krankenhaus in Lambaréné in Gabun und war 1952 Friedensnobelpreisträger. Er spielte sich selber in einem Film von Gilbert Cesbron über sein Leben. Unter seinen theologischen Werken kann man Die Mystik des Apostels Paulus (1962); Das Christentum und die Weltreligionen, Geschichte der Leben-Jesu-Forschung (1961) nennen. Seine philosophischen Werke: Die Weltanschauung der indischen Denker (1936); Kultur und Ethik, Verfall und Wiederaufbau der Kultur, Das Problem des Friedens in der Heutige, Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Seine autobiographischen Werke: Zwischen Wasser und Urwald, Aus meinem Leben und Denken, Aus meiner Kindheit und Jugendzeit, die Linde von Gunsbach. Musikologische Werke: Johann Sebastian Bach (Biographie), Die Orgelwerke Johann Sebastian Bachs. Er war auch Organist und Mitherausgeber einer Ausgabe von Bachs Orgelwerken.

Albert SchweitzerLambarene

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       Albert Schweitzer                                 Lambaréné                                    als Arzt
     

 

Leben und Werk

 

Frühe Jahre und Ausbildung

 

Albert Schweitzer studierte im Deutschen Reich an der Universität in Straßburg die Fächer Theologie und Philosophie; daneben studierte er in Frankreich (Paris) bei Charles-Marie Widor Orgel und war Mitglied der Wilhelminata-Studentenverbindung.

 

1899 promovierte er im Fach Philosophie mit einer Dissertation über "die Religionsphilosophie Kants von der Kritik der reinen Vernunft bis zur Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft". 1901 folgt die theologische Dissertation "Kritische Darstellung unterschiedlicher neuerer historischer Abendmahlsauffassungen" (Erstauflage 1906) - die in der zweiten Fassung den weitaus bekannteren Titel "Geschichte der Leben-Jesu-Forschung" (Tübingen 1913) trägt.

 

Nach seinem Studienabschluss wurde er Dozent für Theologie an der Universität Straßburg und Vikar an der Kirche St. Nikolai. Seine Theologie fand unter anderem bei Fritz Buri Nachhall. Schweitzer schrieb 1905 die französische Ausgabe von "Johann Sébastien Bach", die er drei Jahre später 1908 in seiner deutschen Muttersprache neu verfasste.

 

Leben als Mediziner in Afrika

 

Nach einem Jahr beschloss Albert Schweitzer, Medizin zu studieren, um im Gabun als Missionsarzt dem Ruf Jesu Christi nachzufolgen und Menschen helfen zu können. Seine medizinische Doktorarbeit "Die psychiatrische Beurteilung Jesu: Darstellung und Kritik" widerlegt, analog seiner theologischen Dissertation, zeitgenössische Versuche aus dem Bereich der zeitgenössischen Forschung, das Leben Jesu aus psychiatrischer Sicht beleuchten zu können.

 

1913 gründete er in Französisch-Äquatorialafrika (heute Gabun), an einem Fluss der afrikanischen Westküste, das Urwaldspital Lambaréné. Als Deutsche wurden er und seine Frau Helene Schweitzer-Bresslau ab 1914 zeitweise von den Franzosen interniert. Diese Zeit nutzte er zur Entwicklung und zum Ausbau seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Zentral für diese Ethik ist der Satz: »Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.«

 

 

 

1917 wurde das Ehepaar Schweitzer von Afrika nach Frankreich überführt und in Bordeaux, Garaison und St. Rémy de Provence interniert. 1918 kamen sie ins Elsass zurück, das inzwischen französisch geworden war. Dort nahm Albert Schweitzer wieder die Stelle als Vikar in St. Nicolai an und trat als Assistenzarzt in ein Straßburger Spital ein.

 

Dank des schwedischen Bischofs Nathan Söderblom konnte Albert Schweitzer ab 1920 in Schweden Vorträge über seine Ethik der "Ehrfurcht vor dem Leben" halten, mittels Orgelkonzerten seine Schulden bezahlen und Geld für die Rückkehr 1924 nach Afrika verdienen, um dort das Urwaldhospital auszubauen.

 

Bekannt wurde Albert Schweitzer vor allem durch sein Buch "Zwischen Wasser und Urwald", das er in kurzer Zeit 1921 geschrieben hatte. In seiner Rede zum 100. Todestag Johann Wolfgang von Goethes 1932 in Frankfurt am Main warnte Schweitzer vor dem aufkommenden Nationalsozialismus.

 

In seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises 1952 warnte Schweitzer davor, alle Verbrechen der Weltgeschichte allein nur "den Deutschen" und dem Nationalsozialismus anzulasten und deren Verbrechen als "einzigartig" hinzustellen, vielmehr sei jede Art von Gewalt zu allen Zeiten und bei allen Völkern gleichermaßen zu verurteilen. Albert Schweitzer war ein Gegner von Atomversuchen und atomarer Rüstung und setzte sich daher 1957 und 1958 über Radio Oslo in mehreren Reden dagegen ein. Seine Reden wurden auch in dem Buch Frieden oder Atomkrieg veröffentlicht.

 

Albert Schweitzer war 44 Jahre alt, als seine elsässische Heimat von Frankreich annektiert wurde, damit bekam er als Deutscher die französische Staatsangehörigkeit. Da er kein Franzose war, wird er heute auch nicht als einer der Söhne Frankreichs angesehen. Deutsch war seine Muttersprache, Französisch seine erste Fremdsprache. Mit Frankreich verband ihn aber Jean-Paul Sartre, der Sohn von Schweitzers Cousine Anne-Marie. Die kritische Auseinandersetzung mit der gerade in Frankreich populär gewordenen Existenzphilosophie beschäftigte ihn noch in seinen letzten Lebensjahren.